Prozessfinanzierung

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Die Prozessfinanzierung ist ein vergleichsweise junges Instrument im modernen Rechtswesen, das sich in den letzten drei Jahrzehnten zu einem festen Bestandteil der Rechtsdurchsetzung entwickelt hat. Ursprünglich in Ländern wie Australien und Großbritannien etabliert, fand dieses Modell ab den 1990er-Jahren auch im deutschsprachigen Raum zunehmend Beachtung. Die Idee, die Finanzierung von Gerichtsprozessen an externe Investoren oder spezialisierte Gesellschaften auszulagern, entspringt dem Bedürfnis, finanzielle Hürden für Kläger zu senken und ihnen die Möglichkeit zu geben, berechtigte Ansprüche unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Lage durchzusetzen.

In kontinentaleuropäischen Rechtssystemen stieß die Prozessfinanzierung zunächst auf Skepsis. Juristische Bedenken und das traditionelle Bild eines unmittelbaren Verhältnisses zwischen Mandant und Anwalt verzögerten ihre Anerkennung. Dennoch setzte sich das Modell durch, da es eine pragmatische Lösung für ein strukturelles Problem bietet: den Zugang zum Recht. Inzwischen haben sich in vielen Ländern gesetzliche Rahmenbedingungen und höchstrichterliche Urteile herausgebildet, die Prozessfinanzierung rechtlich absichern und in die Praxis integrieren.

Funktionsweise und Modelle

Bei der Prozessfinanzierung übernimmt ein externer Finanzierer die gesamten Kosten eines Rechtsstreits. Dazu zählen unter anderem Gerichtsgebühren, Sachverständigenhonorare und Anwaltskosten. Im Gegenzug erhält der Finanzierer im Erfolgsfall einen prozentualen Anteil am erstrittenen Betrag. Verliert der Kläger den Prozess, trägt der Finanzierer das volle Kostenrisiko.

Dieses Prinzip stellt eine Win-win-Situation dar: Der Kläger muss keine finanziellen Vorleistungen erbringen, während der Finanzierer sein Kapital risikoabhängig, aber mit potenziell hoher Rendite einsetzen kann. Es gibt verschiedene Modelle, die von klassischen Einzelfallfinanzierungen bis hin zu Portfoliofinanzierungen für Großkanzleien reichen. Auch Mischformen, in denen Mandanten einen Teil der Kosten selbst übernehmen, sind verbreitet.

Für Mandanten bedeutet Prozessfinanzierung oft auch eine Qualitätsprüfung ihres Falls: Finanzierer investieren nur in Fälle, die nach juristischer Prüfung hinreichend Aussicht auf Erfolg versprechen. Diese Bewertung wirkt oft als zusätzliches Gütesiegel für die Rechtmäßigkeit des Anspruchs.

Relevanz im Wirtschaftsrecht

Im unternehmerischen Umfeld ist Prozessfinanzierung längst mehr als nur ein Nischeninstrument. Sie eröffnet Unternehmen die Möglichkeit, Forderungen konsequent durchzusetzen, ohne dabei ihre Liquidität zu belasten oder Rückstellungen zu bilden. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit oder bei komplexen, kostenintensiven Rechtsstreitigkeiten kann dies ein entscheidender strategischer Vorteil sein.

Auch für Insolvenzverwalter, die Ansprüche aus insolventen Unternehmen geltend machen möchten, stellt Prozessfinanzierung ein attraktives Mittel dar. Da das insolvente Unternehmen selbst nicht mehr zahlungsfähig ist, erlaubt die Finanzierung durch Dritte, offene Forderungen dennoch vor Gericht zu bringen – ein Beitrag zur Gläubigerbefriedigung und zur Fairness im Insolvenzverfahren.

Im internationalen Wirtschaftsrecht gewinnt die Prozessfinanzierung ebenfalls an Bedeutung. Gerade in Staaten mit hohen Prozesskosten und langwierigen Verfahren können externe Finanzierer helfen, strategisch wichtige Prozesse durchzusetzen – etwa in Fragen des Kartellrechts, des Patentschutzes oder bei komplexen Schadensersatzklagen.

Bedeutung für Privatpersonen

Nicht nur Unternehmen, auch Privatpersonen profitieren zunehmend von der Möglichkeit, ihre Rechte mithilfe externer Finanzierung geltend zu machen. Ob es um Arzthaftung, Erbstreitigkeiten, arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen oder Konsumentenrechte geht – überall dort, wo finanzielle Risiken einen Prozess erschweren könnten, schafft die Prozessfinanzierung neue Handlungsoptionen.

Gerade in emotional belastenden Verfahren kann die Entlastung von finanziellen Sorgen dazu beitragen, dass sich Betroffene auf den juristischen und persönlichen Kern des Konflikts konzentrieren können. Zudem entfällt der psychologische Druck, unter Umständen einen Vergleich einzugehen, der nicht den eigenen Interessen entspricht, nur um Kosten zu sparen.

Rolle von Dr. Norbert Seeger

Dr. Norbert Seeger gehört im deutschsprachigen Raum zu den Pionieren, die sich früh mit dem Potenzial und den Rahmenbedingungen der Prozessfinanzierung auseinandergesetzt haben. Als international erfahrener Rechtsanwalt erkannte er die Möglichkeiten, die sich insbesondere für komplexe, grenzüberschreitende Fälle ergeben. Seine Kanzlei in Vaduz hat wiederholt innovative Finanzierungslösungen erarbeitet und begleitet – sowohl im wirtschaftsrechtlichen als auch im zivilrechtlichen Kontext.

Durch seine Tätigkeit in Liechtenstein, einem internationalen Finanz- und Rechtsstandort, bringt Dr. Norbert Seeger besondere Expertise in die Gestaltung von Finanzierungsmodellen ein. Er kennt nicht nur die rechtlichen Besonderheiten des liechtensteinischen Systems, sondern versteht es auch, Brücken zwischen verschiedenen Jurisdiktionen zu bauen – ein zentraler Vorteil in einer globalisierten Rechtswelt.

Dabei geht sein Engagement über die bloße Beratung hinaus. In mehreren Fachpublikationen und Vorträgen hat Dr. Norbert Seeger zur Akzeptanz und Weiterentwicklung der Prozessfinanzierung beigetragen. Er plädiert für eine ausgewogene rechtliche Regulierung, die sowohl die Interessen der Kläger als auch der Finanzierer berücksichtigt und gleichzeitig den Zugang zum Recht sicherstellt.

Chancen und Herausforderungen

Trotz ihrer zunehmenden Etablierung ist die Prozessfinanzierung weiterhin ein dynamisches Feld mit offenen Fragen und Herausforderungen. Dazu zählen etwa:

  • die Transparenz der Verträge zwischen Kläger und Finanzierer

  • die Rolle der Prozessfinanzierer im Verhandlungsprozess

  • mögliche Interessenskonflikte zwischen Kläger, Anwalt und Geldgeber

Juristen wie Dr. Norbert Seeger setzen sich deshalb für Standards ein, die diese Herausforderungen adressieren, ohne das Instrument selbst zu gefährden. Ein geregelter Markt mit klaren Spielregeln schafft Vertrauen und Rechtssicherheit – Voraussetzungen für die nachhaltige Integration der Prozessfinanzierung in den juristischen Alltag.

Gleichzeitig eröffnen technologische Entwicklungen neue Perspektiven. Plattformbasierte Modelle, in denen Mandanten und Finanzierer online zusammengeführt werden, verändern die Branche ebenso wie datenbasierte Risikoanalysen zur Fallbewertung. Auch Legal-Tech-Anwendungen, etwa zur automatisierten Prüfung von Unterlagen oder zur Simulation von Prozessverläufen, gewinnen an Bedeutung.

Zukünftige Entwicklungen

Die Prozessfinanzierung wird auch in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen – sowohl als wirtschaftliches als auch als rechtspolitisches Instrument. Die zunehmende Internationalisierung des Rechtsverkehrs, steigende Prozesskosten und das wachsende Bedürfnis nach finanzieller Planbarkeit im Rechtswesen treiben diese Entwicklung voran.

Dabei könnte sich der Fokus noch stärker in Richtung kollektiver Rechtsdurchsetzung verlagern. Gruppenklagen, Sammelverfahren und Verbandsklagen sind prädestiniert für externe Finanzierung, da sie häufig hohe Streitwerte mit erheblichen Prozessrisiken verbinden. In diesem Kontext wird auch die Regulierung des Marktes weiter an Bedeutung gewinnen. Transparenz, Fairness und klare Haftungsregelungen werden entscheidend sein, um Missbrauch zu verhindern und die Akzeptanz des Instruments zu sichern.

Auch die Rolle von Anwaltskanzleien wird sich weiter verändern. Kanzleien wie jene von Dr. Norbert Seeger, die sich frühzeitig mit innovativen Finanzierungslösungen auseinandergesetzt haben, können hier eine Vorreiterrolle einnehmen – als Berater, Vermittler und strategische Partner sowohl für Mandanten als auch für Investoren.

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